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Heischen im Winter

Advent, Bayern: Kleine Gruppen klöpfeln bei Verwandten und Bekannten an, tragen Lieder, Sprüche, Glückwünsche, aber auch Spottreime vor. "Zum Schnapsbrenna is heit de richtge Zeit, mit an guad eigschenktn Stampal hamma allwei a Freid."  Das Anklöpfeln findet an den vier Adventsdonnerstagen statt. Die Klöpfler erhalten kleine Gaben.

1. Weihnachtsfeiertag, Sachsen und ErzgebirgeKurrendesänger (lat. currere = laufen) waren ursprünglich evangelische Lateinschüler, die durch den Ort gingen, vor den Häusern sangen und dafür eine Belohnung erhielten. Der Heischebrauch kam nach der Reformation auf, scheint aber inzwischen ausgestorben zu sein. Typische Kleidung der Kurrendaner sind ein schwarzer Tellermantel und ein flacher, schwarzer Zylinderhut. Als Miniatur genau so dargestellt werden sie von erzgebirgischen Holzschnitzern.

Nikolaus von Myra; c/o Sylvia KochNikolaus in Myra

Sankt Nikolaus bis zum DreikönigstagSchleswig-Holstein: Kinder ziehen beim Rummelpottlaufen umher. Sie sind phantasievoll verkleidet und haben einen Rummelpott dabei. Das ist ein mit einer Schweinsblase bespannter Topf oder eine Blechdose. In die Bespannung wird ein Stock gestoßen, und der Stock dann zwecks Radau auf und nieder gezogen, was ein geräuschvolles Schnarren erzeugt. Zum Geräusch des Rummelpotts singen die Kinder dann das wahrhaft endlose Rummelpottlied, in dem sie Süßigkeiten "erbitten". Mit ihrem grausigen Radau jedoch wohl eher erpressen, denn die Kinder hören erst auf zu schnarren, wenn sie ihre Belohnung bekommen haben. Die Kinder sind vor allem erpicht auf Holsteiner Förtchen: "Rummel, rummel, röten, giff me en paar Föten!" Sie nehmen gegebenenfalls gern auch anderes Süßes, Neckisches oder klingende Münze. Wer nichts gibt, muss sich auf Spottlieder und zornige Ausbrüche gefasst machen. – Was Holsteiner Förtchen sind? Hefegebäckstücke mit Rosinen, in der traditionellen Förtchenpfanne gebacken.

12 Rauhnächte / Weihnachtszwölfer / Inner-/Unternächt (12 Nächte ab der Nacht zum Thomastag, 21. Dezember = Wintersonnenwende, bis Neujahr, mancherorts vom ersten Weihnachtsfest (25. Dezember) bis zum Dreikönigstag, dem zweiten Weihnachtsfest), Alpenraum: Eingemummt in zottelige Tierfelle ziehen furchteinflößende Gestalten in den finstersten Nächten des Jahres durch die Orte. Heidnischer Urbrauch ist es, böse Geister zu verjagen. Das mittelhochdeutsche Wort ruch bedeutete haarig/behaart, weshalb heute noch im Kürschnerhandwerk die Felle als Rauchwaren gehandelt werden. Kinder schließen sich gern den finsteren Gesellen an. Sie betteln an den Haustüren um Krapfen: "Heit is Raunacht. Wer hat’s aufbracht? Drei alte Weiber un a alter Geiger und a alter Hennafuaß, den ma drei Toag siedn muaß. Kropfa heraus, Kropfa heraus oder i stich an Loch ins Haus! De Schlüssel hör i klinga. Kropfa werns uns bringa. Kropfa heraus, Kropfa heraus oder i stich an Loch ins Haus!" Die Älteren erwarten für ihre Dienste als Geisterjäger ein Schnapserl. Sind die zotteligen Gestalten zufrieden gestellt, wünschen sie gar noch ein frohes Jahr. Die letzte, die vom 5. Januar auf Groß-Neujahr, ist die gefährlichste der Rauhnächte, weshalb an diesem Tag an den Türen das Unheil abwehrende Kreuz aufgebracht wurde. Später übernahmen die Sternsänger dieses Zeichen zur Segnung des Hauses.

Neujahr, Norddeutschland: Das neue Jahr wird in Norddeutschland gerne mit dem Rummeln begrüßt. Ortsweise auch beendet, wie beim Rummelpottlaufen in Schleswig-Holstein. Das Rummeln steht für rumpelnden, dämonischen Krach, der mit allen möglichen Instrumenten erzeugt wird. Noch übertönt wird der höllische Lärm von der Forderung: "Rummel, rummel, roken, gif me en Appelkooken (Apfelkuchen)."

Neujahr, Niederbayern: Zwecks "Neujahr abgwinne" besuchen Kinder ihre Paten. Sie wünschen ihnen alles Gute zum neuen Jahr. Dafür bekommen sie eine Neujahrswecke. Jemandem das neue Jahr abzugewinnen bedeutet, Un-Glückwünschen zuvorzukommen. Daher wird, wer als Erster den anderen beglückwünscht, mit einer Kleinigkeit beschenkt.

Dreikönigstagkatholisch geprägte Gebiete: Bereits im 16. Jahrhundert zogen Kinder, aber auch mittellose Handwerker und entlassene Soldaten am 6. Januar von Haus zu Haus. Bald schon schlossen sich – verkleidete – Könige an. Ein Stück Stoff ergab schnell und einfach einen schlichten Umhang, aus Pappe entstanden Schmuckstücke. Die Umgänger sangen und baten um Zuwendungen. Armen Leuten half das Heischen, ihre Steuern zu bezahlen. Seit Anfang der 1960er Jahre ist dieser Brauch kirchlich organisiert und die zumeist jugendlichen Sternsinger sammeln Geld und Sachspenden für einen bestimmten Anlass.

LichtmessSpergau (LK Merseburg-Querfurt): Hier findet ein Winteraustreibumzug statt, der sich zum Volksfest auswächst. Erwähnenswert sind die Schwarzmacher, die jede (jungfräuliche) Weibsperson beehren, indem sie ihr das Gesicht schwarz anmalen. Zeitgleich zum Umzug treten einige Lichtmessgesellschafter zum Heischegang durchs Dorf an. Sie schenken einen speziellen Trunk zur Feier des Tages aus und sammeln Naturalien für ein gemeinsames Mahl.

Petri Stuhlfeier (22. Februar), Haslach im Kinzigtal (Schwarzwald): Am Storchentag, mittags um 12 Uhr, versammelt der Storchenvater die Haslacher Schuljugend zum Umzug. Er trägt einen schwarzen Mantel und einen Zylinder, den zwei Storchfiguren zieren. So gewandet, führt er die Kinder durchs Dorf, wobei sie mit "Heraus, heraus! Äpfel un Bire zum Lade raus!" um Süßes, Laugengebäck, freilich auch um genannte Äpfel und Birnen heischen. Die Störche werden in Haslach so besonders verehrt, da sie einst nach flehentlichem Fürbitten der Bauern deren Ernte retteten, indem sie sich an Ernteschädlingen labten.

FastnachtszeitHessen: Ein Spaß für kleine und größere Maskierte ist es, umherzuziehen und zu singen: "Kräppel raus, der Fuchs ist naus, un wann Ihr mir kei Kräppel gebt, schick ich ihn Euch ins Hühnerhaus!" Kräppel sind in Schmalz ausgebackene und mit Marmelade oder Fruchtmus gefüllte Hefeteilchen (ähnlich dem Berliner/Krapfen/Pfannkuchen).

Veilchendienstag/FaschingsdienstagEifel: Der Äerzebär (Erbsenbär) geht um, den Winter auszutreiben! In Begleitung einer Musikkapelle, der Bären-Band, und unter Aufsicht des ganzen Dorfes geht der in Erbsenstroh und -laub dick vermummte Äerzebär von Haus zu Haus, schlimmsten- wie bestenfalls von Kneipe zu Kneipe. Seine Begleiter treiben bei den Schaulustigen Spenden ein. Am Ende wird das Bärenfell verbrannt.

FastnachtSorbische NiederlausitzZampern, sorbisch = Camprowanje, ist ein Maskenumzug, verbunden mit gehörigem Radau und Rutenschlagen. Oft bleiben die Kinder tagsüber unter sich, denn die Erwachsenen treffen sich erst abends zum separaten Umzug, der gewöhnlich bei einem Tänzchen endet. Die eingesammelten Naturalgaben werden beim gemeinsamen Zampernessen verspeist. Am Rande vermerkt: Zampern war im Schlesischen einst die Weiberfastnacht.

Burg Oybin; c/o Sylvia KochBurgruine Oybin

Hutzelsonntag (1. Fastensonntag) und Fackelsonntag (3. Fastensonntag), Rhön: Mit Hutzelfeuern wird am Sonntag nach Fastnacht der Winter in der Rhön ausgetrieben. Damit das Feuer intensiv und weithin leuchtet, ist eine Menge Arbeit in das Sammeln von Brennmaterial zu investieren. Bewährtes Feuerfutter liefern abgeputzte Weihnachtsbäume, die von der dörflichen Jugend zusammengetragen, aufgeschichtet und mit einer Strohpuppe gekrönt werden. Wenn das Feuer brennt, entzünden die älteren Dorfbuben Fackeln, ziehen mit diesen durchs Dorf und erheischen ihren Lohn für die Christbaumentsorgung: Eier, Fleisch und Wurst sowie Huizeln (= Dörrobst). In und um Fulda wird gehutzelt, in der Umgebung von Bischofsheim der Fackelsonntag erleuchtet.

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